ZeitZeugen
Eine Ausstellung von Anne Blass und Manfred Greulich-BlassNichts ist Zufall – alles ist ZU-FALL. Was aber fällt einem zu?
Beide, Manfred und Anne, sind ständig auf der Suche nach Materialien für ihre Objekte.
Das mittlerweile, vor allem in den Urlauben, geübte Jägerauge sieht schon Dinge aus der Umgebung heraus, die dem Nichtjäger gar nicht auffallen, bzw. für diesen gar keine Bedeutung haben.
Es weiß um die geeigneten Fundstellen. Dabei geht es kaum um die spätere Bearbeitung des Materials, sondern um eine Auswahl an Fundstücken, die als solche schon eine Geschichte erzählen, die Stimmungen auslösen, an Erinnerungen anknüpfen.
Sie werden, wie bei den Objekten von Manfred, als Maske, Gesicht oder Figur erkannt. Hier und da muß man ein wenig nachhelfen, das gedachte Auge, den Mund aus dem Metall brennen. Verwendungszweck und Ursprung des alten Materials, spielt als Assoziationshilfe eine Rolle; oft macht aber die totale Verfremdung neue Assoziationen erst möglich.
Die Fundstücke erzählen eine/ihre Geschichte – sie sind Zeugen vergangener Zeit. Durch die Bearbeitung, die Kombination mit Steinen, Holz, Eisenstäben werden sie zu neuen Wesen – zwischen den Zeiten. Werden JETZT und beginnen im Garten z.B. stehend eine neue Geschichte, werden in der Natur wieder einem Verwandlungs-, Verfremdungsprozeß ausgesetzt. Sie leben ihre neue Geschichte als Letzter Streckengänger Waller, Mr. Blix, oder Schildbürger und erzählen sie dem, der genau hinhört und hinsieht.
Element der Installation von Anne sind Fotografien alter Gräber auf französischen Friedhöfen.
Detailaufnahmen von Gräbern, die teilweise über 100 Jahre alt sind, geben Zeugnis von Grabkultur mehrerer Generationen.
Manche werden als Familiengrab genutzt und hier vereint sich alt und neu.Aber vor allem der Umgang mit den verwaisten, nur noch der Natur, nicht mehr dem sich kümmernden Menschen ausgesetzten Grabstätten, dem Grabschmuck berührt, lässt einen staunend schauen und träumen. Schmiedeeiserne Grabeinfassungen stehen wie aneinandergereihte Kinderbetten. Reste des Grabschmuckes, von Rost zerfressene Stücke, vom Kreuz gefallene Jesuse,werden weiterhin respektvoll, manchmal skurril zum Weiter-Gedenken arrangiert.
Es wirkt, als dürfe keiner diese Stätten entweihen, so als müsse man warten und respektieren, bis die Natur selbst einem sagt: jetzt ist Ende. Vier Stelen sind mit derartigen Fotos bespannt und beleuchtet. Durch einen Bewegungsmelder am Fuß der Stelen aktiviert, ertönt gregorianischer Gesang aus dem Inneren. Sechs Bleiboote tragen sie als Segel und auf Stoffstreifen sind sie im Raum aufgehängt.Hier geht es zu der musikalischen Interpretation der Kunstwerke vorgetragen vom Klarinetten-Duo Doppelholz.
