Butho-Performance - 31.10.2004
Inge Harms bezeichnet ihre Fotoarbeiten als Fotoinszenierungen, weil sie innere Bilder mit derselben Haltung arrangiert, wie sie auch ihre Theaterarbeit ausübt. Von Anfang an spielte in den Fotos Gold eine große Rolle. Als Möglichkeit, eine Distanz zu schaffen und auf das Kostbare hinzuweisen.

Die Fotos mit den goldenen Objekten entstanden 1996 in der Absicht, die Schönheit und das Wesen des Weiblichen über ds Gold und das Metallische darzustellen, den Zustand der Unversehrtheit auszudrücken. Jahre später, inspiriert von Josef Beuys' Arbeit
Zeige deine Wunde, stellt sie die Verletzung in den Vordergrund. Denn die Verletzung, ob seelisch oder körperlich, zwingt, durch den Wunsch nach Heilung, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Deshalb wendete sie sich von Objekten ab und vergoldete direkt die Haut eines Frauenkörpers mit seinen Narben. Die Schönheit des Goldes würdigt die Wunde und die Individualität.

Für diese Ausstellung hat Inge Harms die Fotos über das intakte Wesenhafte auf reale verrottete Metalltafeln montiert, um auf die zu Grunde liegende Vergänglichkeit des Körperlichen hinzuweisen, die Bilder der Wunde dagegen auf schöne, bearbeitete Tierhäute, um den Zusammenhang zu verdeutlichen und jeweils das Wahrhaftige zu komplettieren.

Auch in ihren Butho-Performances geht es um Wahrhaftigkeit. Butho ist ein in Japan entstandene Ausdrucksform, die aus dem Gefühl der Rebellion gegen starre Konventionen entstanden ist und sich auf die Suche zu den Wurzeln begibt.
Honig, das goldene Geschenk der Götter an die Menschen, wurde in der Antike den Seherinnen auf die Lippen gestrichen, um sie in Begeisterung zu versetzen. Das in Ekstase gesprochenen Lallen wurde als direkt von den Göttern kommendes Wort angesehen und respektiert.
Süß ist die Wahrheit.Honig und Gold werden auch heute noch als Heilmittel eingesetzt, so dass die Thematik sozusagen den Schauplatz des Außen der Fotos nach Innen verlagert.