Stefan Kaiser - Genesis
Stefan Kaiser über Genesis: In meiner Schule finde ich zufällig einen soliden Holzkasten mit großformatigen Schwarz-Weiß-Dias offenbar aus einer alten geographischen Lehrmittelsammlung, ein anachronistisches Medium: Sorgfältig mit schwarzen Papierstreifen verklebte Glasscheiben, eng bedruckte Etiketten und gewissenhafte handschriftliche Nummerierungen und Bezeichnungen, im allgemeinen ausgezeichnete fotografische Qualität.
Karge, wenig spektakuläre Landschaften ohne vordergründige Reize, ohne jede pittoreske oder exotische Attraktivität, allenfalls eine gewisse Klarheit, Ernsthaftigkeit, vielleicht Würde ausstrahlend.
Die Gründe, die zum fotografischen Festhalten dieser Motive geführt haben, scheinen zunächst uneinsichtig, wären da nicht die meist handschriftlichen Etiketten (z.B. Korallenriff Mombassa Brit. Ostafrika, oder D. S. W. Afrika Klippengebilde ), die den Motiven eine geografisch-geologische Bedeutung verleihen. Allerdings stellen sich genau hier, beim Vergleich von Motiv und Titel, Irritationen bei mir ein. Beim aufmerksamen Betrachten sehe ich schließlich, dass die Bilder etwas ganz anderes darstellten als ihre knappen Inschriften behaupten.
Ich sehe Bilder, Fotos (!) von der Entstehung der Welt, und zwar von den ersten drei Schöpfungstagen (Gen, 1,1 ˆ1,13). Fasziniert von dieser Entdeckung habe ich von den Dias großformatige Zeichnungen angefertigt und den alten Beschriftungen meinen Kommentar hinzugefügt bzw. gegenübergestellt. Die in den Jahren 2002 ˆ 2004 entstandene Serie umfasst 12 Bleistiftzeichnungen, alle im Format 120 x 90 cm.
Dr. Christian Krausch, Geschäftsführer des Museumsvereins Abteiberg in Mönchengladbach in seiner Eröffnungsrede über Stefan Kaiser: Er ist ein begnadeter Zeichner und auch Kupferstecher. (...) anhand der hier ausgestellten Arbeiten können Sie sich von der Qualität des Bleistift- oder Grabstichel-Striches überzeugen. Doch damit nicht genug, denn es ist nicht allein die Beherrschung der Technik, die das Wesen des Künstlers auszeichnet. Vielmehr ist es die Idee, der schöpferische Akt der Gestaltfindung, (...) Welches Thema böte sich mehr an, über das Schöpferische zu reden, als die Geschichte aller Geschichten zum Thema der Schöpfung? (...). Was wir sehen sind gezeichnete Abbilder von alten großformatigen Schwarz-Weiß-Dias. (...) Und was hat Kaiser mit diesem bewundernswert anachronistischen Medium gemacht? Klar, er hat einige Motive aufgegriffen und über eine Projektion in stundenlanger Arbeit abgezeichnet. Alles abgezeichnet, den Rahmen mit Beschriftungen und Aufklebern inklusive den Spuren der Zeit.
Die Zeichnungen sind mit kurzen Texten um unteren Blattrand kombiniert. (...) Nach und nach begleitet uns Stefan Kaiser durch die ersten drei Tage der Schöpfungsgeschichte. Seine Texte kommentieren dabei die Beschriftungen auf den Dias, um sie zugleich in Frage zu stellen. (...) Die Zeichnungen bieten parallel zur Genesis neue Geschichten, so wie Kaisers Zeichnungen grundsätzlich neue Sichtweisen erlauben. Nie geht es nur darum, etwas perfekt abzuzeichnen und zu vergrößern. Vielmehr erweitern Kaisers Arbeiten den Fundus an Informationen über ein Ding oder eine Sache, wissend, dass in jedem Ding und in jeder Sache meist mehr verborgen ist, als oberflächlich zu erkennen ist. Wahrhaftig eine Schöpfungsgeschichte, die uns Stefan Kaiser hier anbietet und zugleich ein eindeutiger Beleg für seine schöpferische und küstlerische Tätigkeit. Dr. Christian Krausch, 11.2.2005
Kontakt:Stefan Kaiser
Brasselstr. 104
41747 Viersen
Telefon: 02162 - 2 59 41
