Katharina Lichtenscheidt - Graphik und Malerei
Eröffnungsrede von Janne Gronen und Eindrücke von der Ausstellungseröffnung am 17.02.2006, Galerie Judith Dielämmer, Grevenbroich
Katharina Lichtenscheidt ist geboren in Wuppertal, ging in Neuss zur Schule, studierte freie Malerei an der Pyramide, der freien Kunstschule in Düsseldorf, arbeitet und lebt mit Ehemann und Sohn in Neuss. 1996 erhielt sie den Kunstpreis euregio Rhein-Maas-Nord und ihre Arbeiten konnte man unter anderem in Ausstellungen und Galerien von Düsseldorf, Langenhagen, Iserlohn, München, Xanten bis Bad Zwischenahn sehen, um nur einige aufzuzählen. Und sollte jemand diese Vernissage heute verpassen, so findet man Katharina Lichtenscheidt morgen und übermorgen noch auf der Cologne Fine Art und mit einer sogenannten one-man-show auf der Art Karlsruhe vom 15.-19. März 2006.
Aber, meine Damen und Herren, schön, dass SIE der Galerie Judith Dielämmer den Vorzug geben, ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Wahl und begrüße Sie aufs herzlichste. Natürlich braucht es nicht wirklich Worte, um Ihnen die künstlerischen Arbeiten von Katharina nahe zu bringen, anschauen reicht, - ich erzähle Ihnen ein wenig von meinem Erleben...Grafik und Malerei sehen wir in dieser Ausstellung. Wobei wie gemalt anmutendes auch den Grafiken innewohnt und in der Malerei Spuren von Zeichnerischem zu finden sind. Und das genau, um es schon einmal vorwegzunehmen, ist das Besondere in diesen Arbeiten. Mehr oder weniger deutlich durchscheinend, wirken diese zeichnerischen Elemente strukturierend, Halt gebend in bewegtem Umfeld. Die Grafiken hingegen erhalten durch die Farbschichtungen ihre hohe Lebendigkeit.
Damals, nach ihrer ersten Ausstellung hier, erzählte mir Katharina Lichtenscheidt, was sie male, könne man als Landschaften bezeichnen. Ich erinnere mich, dass ich fast ein wenig enttäuscht war, ein solch alltägliches Wort für diese Malerei zu hören. Und um wie vieles mehr heute - für die kunstvoll miteinander wirkenden, vielfach schattierten Farben, Farbfelder und Formen.
Ich weiß, in einigen Arbeiten kann man meinen, an landschaftliches erinnernde Strukturen und Flächen zu finden. Sich tiefer einlassend, finden wir aber weitaus mehr. Farbschichten übereinander, dem Blick verdeckend, was dahinter ist oder es teilweise freigebend. Seltsam fremd wirkendes, zerfranste Flächen, löchrige Felder, flüchtiges wie in Auflösung begriffen, wir könnten uns jetzt fürchten - aber schon finden wir auch wieder Beruhigendes, eine Linie, eine verdichtete Farb-Form gibt uns den Halt wieder.
Gerettet. Fürs Erste.
Aber dann das neblig scheinende...Wo bin ich? Die Wahl habend zwischen Nebel und Dunkelheit entscheide ich mich für das Abenteuer nachtblau-schwarzgraubräunlichrot. Der Mut hat mich erfasst, auf Entdeckungsreise zu gehen, ja eine Lust fast, mich immer tiefer in das Unergründliche vorzuwagen. Transparent leuchten weitere Farbnuancen hinter den Farben hervor. Dichtere Felder verdecken und verstecken Geheimnisvolles. Hat sich da nicht etwas bewegt? Eben hab ich das doch noch nicht so gesehen ˆ war das schon so? Neue, überraschende Einblicke durchbrechen die Illusion von Unendlichkeit, die Künstlerin spielt mit Brüchen und Linien und dem, was sich zufällig im Schaffensprozess ereignet. Sicher, da meint man dann, einen Horizont zu sehen ˆ wie erleichternd. Aber gleichzeitig ahnt man schon etwas von dem Dahinter, es könnte ein anderer Horizont sein, eine andere Nuance, nahezu endlos... Eindrücke werden durch eine einzelne Linie, einen Hauch einer anderen Farbe immer wieder gebrochen ˆ es bleibt spannend.
Die Tiefe von Katharina Lichtenscheidts Bildern wird in einer besonderen Weise sichtbar und erfahrbar: sie enthüllt nicht, legt nicht sezierend frei, sondern eröffnet wie absichtslos Ahnungen und Spuren ˆ ein Spiel eben. Sind die Spuren Zeugen von Vergangenem, oder, auch das wäre denkbar, von sich Ankündigendem..? Schon vorbei oder noch nicht da? Erzählen sie von leichter lichter Fülle, nah und dem Blick offenbart ˆ oder erzählen sie etwas von dem, was Metamorphosen ausmacht, von sich wieder und wieder Umgestaltendem, sich wieder und wieder entwickelnder Spannung? So, wie die Abenteuer, die wir in den Bildern erleben können, die Verhältnisse und Anmutungen, ist auch seelisches Geschehen: vielfältig das ≥Jetzt„, das aktuelle Erleben, unser Alltag ist Abenteuer, unser eigentlicher Reichtum, tagtäglich immer neu. Das kennen wir, lustvoll wie schmerzlich: stetiger Wandel ist in uns und um uns herum, ständige Bewegung, kaum ist etwas Form geworden, ist es wieder in Auflösung begriffen ˆ so ist das Leben - erfrischend in seinen Bewegungen, mal sich auflösend, sanft, ganz leise, mal bestimmend, laut und ganz da.
Stille Tiefe ˆ tönend laut -
die Arbeiten bringen uns das Wesen starker emotionaler Bewegung nahe. Sie sind ein Gesamtentwurf eines stimmigen Augenblicks, eine Momentaufnahme von individuellem Zauber und Allgemeingültigkeit.
Sie zeigen, - so sehe ich es - dass wir uns häufig, was unsere Gefühle, uns selbst und die Welt betrifft, mit Ahnungen begnügen müssen. Dem Kontrollbedürfnis unserer modernen Welt entspricht das ganz und gar nicht, vielleicht aber tieferen Schichten unseres Selbst - - - denn wie herrlich, nur so UNGEFÄHR zu erkennen, und damit dem Ganzen sein Geheimnis zu lassen. Zu leben, manchmal staunend , manchmal genießend, und manchmal einfach hinnehmend, statt zu wissen und zu entschlüsseln. Dem Summen der Hummel zu lauschen, anstatt zu ergründen, wieso sie fliegt, obwohl sie doch nach den Gesetzen der Physik gar nicht fliegen können dürfte...Seit einigen Jahren hängen zwei Bilder von Katharina Lichtenscheidt in meinem Büro. Und immer wieder gibt es Tage, da möchte ich nicht mehr aufhören, mich in sie zu vertiefen. Und aus ihren Tiefen heraus wiederauftauchend mich selbst ein Stückchen mehr mitzubringen.
Vielen Dank.
Für nur 25 • können Sie eine bleibende Erinnerung mit nach Hause nehmen, die Galerieedition von Katharina Lichtenscheidt finden Sie dort ˆ Sie erwerben äußerst preiswert eine echte Lichtenscheidt-Radierung - und unterstützen damit gleichzeitig unsere Kultureinrichtung. Zwei Radierungen neben- oder untereinander machen sich besonders gut.... © Janne Gronen 2006
Informationen zur Künstlerin unter http://www.k-lichtenscheidt.de
