Anna Neumann - Between Red and Blue
Die Farben
Früher malte Anna Neumann nur in ROT, die Farbe für: Zorn, Wut, Energie, Zerrissenheit, Angst, aber auch für: Wärme, Liebe.

BLAU hat sie auf einer spirituellen Reise entdeckt. Das Blau bringt die ersehnte Gelassenheit, steht für Sehnsucht, Harmonie, erinnert sie an die Kindheit, die sie am Meer verbrachte.
Im Blauen entfaltet sich durch Gelb eine Sogwirkung.
Das Licht zeigt mir den Weg an, führt mich weg.Die beiden Objekte (Sind es: Zwei Weltraumschiffe im All? - Zwei Lebewesen im Wasser? - Zwei Inseln im Meer?) weisen eine starke haptische Struktur auf. Eine Detailansicht dieser Struktur zeigt nochmals deutlich Anna Neumanns Arbeitsweise, das Aufschichten und wieder Abarbeiten des Materials.
Auch wenn die persönliche Interpretation unterschiedlich ausfallen wird, bleiben die Komponenten des Bildes, bleibt sein deskriptiver Modus gleich.
Die 7 Häute.
Aus dem Bild tritt ein blaues Etwas mir entgegen. Es ist rund, hat aber keine klare Abgrenzung. Es strahlt Bewegung pur aus, bewegt sich in sich selbst und nach vorne.
Das Orange öffnet sich dagegen nach hinten, erzeugt einen virtuellen Raum.
Das gleichzeitige Heraustreten aus dem Bild in beide Richtungen, die Anwesenheit von nah und fern charakterisierte, sagt Walter Benjamin, im Mittelalter die Aura, die Anwesenheit von Spiritualität.
Die Strukturen oben links, die nach Innen gehen, wirken wie eingekratzte Schrift, angeordnet wie auf einem Blatt Papier. Eine universelle Schrift, die keinen bestimmten Code hat, sondern Schrift selbst vergegenwärtigt. Die Schrift kommt von unseren Vorfahren, geht in die Tiefe der Zeit wie auch hier sich die Schrift durch die Schichten/Häute in die Tiefe des Bildes eingräbt.
Out of the Dark.
Düstere Bäume mit schwarzem Stamm stehen rechts und links bergan. Das Auge der Betrachter wird zur Bildmitte gelenkt, bergab, zunächst zu den weißen Stämmen von Birken am Wegrand, dann durch das goldige Licht, das den Weg zwischen den Anhöhungen erhellt. Der Weg selbst wird zur Lichtung.Das Ende des Weges ist also nicht das ersehnte Ziel, sondern das Dazwischen. Es ist auch kein einfacher Weg. Quer gelegte Wollstreifen wirken wie Hindernisse, die erst noch überwunden werden müssen, bevor der Weg sich nach links verbreitet und die Farbe ins Goldene wechselt.
Auf den Anhöhungen ist wenig Licht, die Landschaft mit den dunklen Bäumen wirkt wie ein dreidimensionaler, transparenter Schleiervorhang. Das Auge des Betrachters wird hier geführt wie im Märchen der Weg verläuft, den der Held geht: vom Schweren zum Leichten, vom Düsteren zum Hellen, von der verdichteten Atmosphäre zum Klaren im Hier und Jetzt, bis hin zur Spiritualität.
