Uwe Dressler - Malerei und Zeichnung
Einführende Worte zur Ausstellungseröffnung am 15.08.2008 von Anna Neumann
Neben zahlreichen anderen Ausstellungen ist dies Uwe Dresslers 4. Einzelausstellung in dieser Galerie.
Wie immer ist der Titel: "Malerei und Zeichnung"
Jedesmal tragen die Exponate deutlich seine Handschrift, seinen Duktus:
- aber jedesmal zeigen sie ganz neue Bildwelten
- ganz neue bildnerische Lösungen
- ganz neue Farbklänge
- ganz neue Sichtweisen.
Malerei und Skulptur Auch diesen Titel hätte eine Ausstellung tragen können.
Oder Photographie und Digitale Kunst
Oder Karikatur und Photomanipulation
Sie merken schon: Uwe Dressler ist ein Multitalent und beherrscht virtuos die unterschiedlichsten Techniken.
Welches ihm die liebste Ausdrucksform sei?
Da mag er sich nicht festlegen -
oft sei die Entscheidung sehr schwierig. Das Zeichnen, das liefe bei ihm so nebenher, z.B. als Vor-sich-hin-scribbeln beim Fernsehen. Es ist so etwas wie
- jonglieren mit Impressionen und Expressionen
- verarbeiten neuer visueller Eindrücke
- das Sortieren einer Überfülle an Informationen
- zeigen, was die Augen denken
Also, gewissermaßen eine Art kreativer Verdauungsprozess. Und der hat es in sich!
Wer Uwe Dressler näher kennt, ist von den Ausscheidungsprodukten dieses Prozesses sicher nicht überrascht - denn derjenige kennt seinen skurrilen Humor, seine unglaubliche Fähigkeit in den banalsten Dingen das Absurde, das Komische zu entdecken, und deutlich zu machen:
- einmal verbal durch völlig abstruse Wort- und Satzkonstrukte
- und natürlich in seinen einzigartigen Zeichnungen.
Zeichnungen, die uns die absonderlichsten Geschöpfe näher bringen, womit scheinbar unschuldig-gleichförmiger Linie total verschrobene Charaktere entlarvt werden.
Andere Zeichnungen entspringen offensichtlich dem Chaos, dem Urknall.
Das heißt aus heftigen, sich überlagernden Linien, die sich gern zu einer Art Kokon verdichten, entwickeln sich spannungsgeladene abstrakte Zeichnungen, die schon auf die malerische Arbeiten verweisen.
Das heißt Uwe Dresslers Bilder verbinden oft mit großer Selbstverständlichkeit Zeichnung und Malerei. Und so entdecken wir auch in der Malerei auf Papier das Oval, das Ei, den Kokon: farbig geschlossen, transparent oder ganz offen linear angelegt.
Umspielt wie ein Schutzgespinst von lockeren Linien. Speziell in dieser Ausstellung haben Uwe Dresslers Bilder für mich etwas mit Jazz zu tun:
- sie haben ihre farbige Ordung
- sie haben eine Grundform, die anderen Grundformen antwortet
- sie perlen durch diesen Raum, wie sanfte, nicht endenwollende Variationen
- sie rollen einen harmonischen farbigen Klangteppich aus
- vermitteln z.B. Assoziationen sonnengetränkter mediterraner Landschaften
- aber dann, plötzlich unerwartete Dissonanzen:
Ein Felsstück, das schräg in der Luft verharrt - ein schrill aufheulender Farbton
- und wo, bitte, ist der Mond? Ach, da unten? Na gut... der hat auch ein Recht auf Tapentenwechsel.
Andererseits erscheinen mir manche Bilder wie Momentaufnahmen aus einer Erzählung, einem Roman.
Sie reizen zum Fabulieren, zum Vorstellen einer Anfangssituation, zum Zu-Ende-Denken.
Alle Kunst gefällt nur, wenn sie den Chrakter der Leichtigkeit hat.
Sie muss wie improvisiert erscheinen.
Diese, so modern anmutenden Worte sind schon alt, sie sind von Goethe!
Uwe Dresslers Arbeiten vermitteln diese Leichtigkeit, diese Freude am Experimentellen, am Nicht-Festgelegten, am Grenzüberschreitenden.Als Kind ist jeder Mensch ein Künstler, behauptet Picasso. Später vergessen wir das und verlieren dieses Talent.
Uwe Dressler hat seine Talente bewahrt, ein Stück Kindsein herüber gerettet ins Erwachsenenleben. Die Kindliche, nie versiegende Neugier, die Begeisterungsfähigkeit, die Freunde am Tun, am Erschaffen.
Befragt, was er dem Betrachter seiner Bilder vermitteln will, antwortet Uwe Dressler: Kraft! Er wolle Kraft vermitteln. Ich war zunächst irritiert. ich befragte den Brockhaus. Ich befragte ihm zum Begriff: Humor, und ich erfuhr folgendes:
Humor ist die heitere Gelassenheit gegenüber den Unzulänglichkeiten von Welt und Menschen und den Schwierigkeiten des Alltags.
Humor ist eine Form der Wahrnehmung und Kommunikation, die für die ästhetische Grundgestalt des Komischen aufgeschlossen ist.
Komik ist eine bewusst übertreibende Lachen erregende Kontrastierung.
Ist es nicht genau diese heitere Gelassenheit, die uns so oft fehlt in den Querelen des Alltags, diese Leichtigkeit, die uns die Kraft für das ach so Schwere gibt?
Derjenige muss schon ein arger Muffkopf und Erbsenzähler sein, dem U.Ds Zeichnungen kein Lächeln ins Gesicht zaubern!
Er heißt doch Heiterkeit - ist der Himmel unter dem alles gedeiht!
Also, bleben Sie heiter!
Wenigstens dieses Wochenende. Und wenn das nicht gelingt:
Kommen Sie wieder oder kaufen Sie doch einfach eine Zeichnung!Sie haben z.B. die Möglichkeit für 25 Euro eine Originalzeichnung als besonderes Ausstellungsangebot zu erwerben.
Anna Neumann, August 2008
