Vergabe des Kunstpreises an Jan Beumelburg
Laudatio für den Kunstpreisträger der Galerie Judith Dielämmer Jan Beumelburg aus Brandenburg an der Havel. - von Uwe DresslerLiebe Freunde, der Galerie, lieber Jan Beumelburg!
Zum vierten Mal haben die Galeriemitglieder einen Kunstpreisträger der Galerie gewählt.
2005 ging der Preis an Axel Naß aus Neuss, 2006 an Katharina Brenner aus Nettetal, 2007 an Angelika March Rintelen aus Neuss. 2008 wählte die Galerie Jan Beumelburg aus Brandenburg an der Havel und damit zum ersten Mal einen Künstler, der nicht in greifbarer Nähe wohnt.

Jan Beumelburg wurde 1965 in Neustadt am Rübenberge, nahe Hannover geboren, studierte ab 1984 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Giso Westing und Prof. Roland Dörfler, bei dem er 1990 sein Diplom als Meisterschüler erlangte.
Bis 1993 war er freischaffend für das Staatstheater Braunschweig und das Schauspiel Frankfurt am Main tätig. Seit 1994 lebt er in Brandenburg an der Havel. Dort gründete er zusammen mit Gunnar Kollin den ≥Salon viosionell≥, in dem die Dinge des Lebens visionär und visuell unter die Lupe genommen werden (www.salonvisionell.de). 1998 hob er das ≥Verwandlungsamt≥ √ Amt für Kunst und Wandel aus der Taufe und gibt mit dem Begriff eine Deutung für seine Arbeit in methodisch-philosophischer Hinsicht.
Von 1997 bis 2006 erhielt er fünf Kunstpreise und Stipendien, darunter im Jahr 2005 das Projektstipendium für Minca/Kolumbien von der Stiftung Tayrona und im Jahr 2006 das Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg.Neben seiner küntlerischen Tätigkeit lehrte Jan Beumelburg an unterschiedlichen Institutionen und Einrichtungen, wie der Kinder- und Jugendkunstschule ≥Sonnensegel≥ in Brandenburg, in VHS Kursen, und von 2000-2002 an der Akademie für Gestaltung im Handwerk, Brandenburg/Berlin.
Durch meinen Bruder, der in den neunziger Jahren nach Brandenburg zog, bin ich auf Jan Beumelburg aufmerksam gemacht worden. Wir besuchten gemeinsam sein derzeitiges Atelier, das mich sofort stark beeindruckte. Hier war ein Macher am Werk, das komnte ich sofort spüren: die Räume waren mit allen erdenklichen Objekten gefüllt, in der Mitte eines Raumes lag ein sorgsam geformter kegelförmiger Haufen von Dingen, die er auf seinen Streifzügen gesammelt hat und die als Grundlage für weitere Verwandlungstaten bereit lagen. Alles hatte Patina und Geschichte √ ein wertloser Haufen Müll sieht anders aus. An den Wänden hingen fertige Arbeiten, die Atmosphäre war vergleichbar der in einem Naturkunde- oder archäologischen Museum. Alles sah geheimnisvoll aus und lud zu einer näheren Untersuchung ein.
Jan Beumelburg arbeitet mit den Mitteln der Zeichnung und Malerei, der Fotografie, der Collage und Installation, der Plastik und Skulptur und nicht zuletzt mit der Sprache. Er collagiert und arrangiert, baut, trennt Dinge, setzt sie neu zusammen und interpetiert sie neu und das immer mit einer Ironie und einem Humor, der den Betrachter in den Bann zieht. Seine Gruppen- und Einzelausstellungen an dieser Stelle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, deshalb finden Sie die Informationen zum Mitnehmen in schriflicher Form. Die letzte große Einzelausstellung im Sommer 2008, untergebracht in den Räumen der Brennabor Kunsthalle in Brandenburg an der Havel lief unter dem Titel ≥Bringen Sie wieder Leben in Ihre Ordnung!≥. Dazu eine Einladungskarte mit der Abbilung eines Aktenordners, der zum Vogelhäuschen umfunktioniert wurde √ unter dem Loch im Rücken des Aktenordners eine Sitzstange, als Dach ein Stück Holz, das Ganze an der Wand befestigt √ man fühlt, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Behausung von komischen Vögeln bevölkert sein wird.
Dies ist nur ein schönes Beispiel um aufzuzeigen, wie Jan Beumelburg ans Werk geht. Die Umkehr des Spruches ≥Bringen Sie wieder Ordnung in Ihr Leben≥ ist ja an sich schon ausreichend, um sich die Frage zu stellen, ob man die Dinge richtig macht, so wie man sie macht. Für diese Umkehrung findet er eine Form, die den Gedanken transportiert und durch die Transformation der Form auf den Punkt bringt. Letztlich ist das Werk in jeder Kultur verständlich.
Auf mehreren 100 Quadratmetern konnte Jan Beumelburg seine als ≥Enzyklopädie≥ bezeichnete Ausstellung ausbreiten, mit mehr als 800 Exponaten so umfangreich und gehaltvoll, dass viele Besucher sich die Zeit nahmen auch 2 oder 3mal zu kommen, um die Präsentation in Gänze aufnehmen zu können. Am Ende der Ausstellung konnte die Brennabor Kunsthalle einen neuen Besucherrekord verzeichnen √ es kamen mehr als 1000 Besucher!
Unter dem Motto ≥Das Buch im alchemistischen Selbstversuch≥ zeigt er z. b. die Interpretation von Hemingways ≥Der alte Mann und das Meer≥ dargestellt in Form einer Fischkonserve mit dem Buchtitel als Banderolenaufdruck oder Theodor Storms ≥Der Schimmelreiter≥ in Form einer Quarkpackung mit der Abbildung eines Schimmelbelags auf dem Deckel. Oder man entdeckt ein Buch mit dem Titel ≥Dichtungen für Türen und Fenster≥ verfasst von Tesa Moll.
Ein anderes Objekt zeigt einen mit großen Schraubzwingen zusammengehaltenen Bücherturm, der mit einem großen Lochbohrer in ganzer Höhe durchgebohrt wurde. Es ist eine komplette Enzyklopädieausgabe. In einem erläuternden Textabsatz dazu schreibt Jan:
≥Das unten gezeigte Experiment macht in einer letzten großen Menschheitsanstrengung den Versuch, sich von dem Buchstaben Z zum Buchstaben A zurückzubohren. Jahresringen gleich, durch Zeit und Raum, geht es zurück in die Anfänge der Information. Die sensationellen Funde (s. ≥Angebohrt & Nachgefragt≥) und die enorme Tiefe des Bohrlochs machen uns das ganze Ausmaß der Bildungslücke bewusst.≥
In der typischen enzyklöpädischen Darreichnungsform seiner Kunst erklärt Jan Beumelburg den Begriff des ≥Schwarzen Lochs≥, Zitat:
Das schwarze Loch ist das für wahrscheinlich gehaltene, vorläufige Endstadium der Bildungslücke. Das Wissen ist zuvor in sich zusammengestürzt und hat einen schwarzen Brei mit unendlicher Dichte entstehen lassen (<www.>), aus dem es kein Entrinnen gibt. Dieser Brei ist ein Raum-Zeit-Kontiuum und dabei extrem massereich. Kein noch so gebildeter Leser kann ihm entkommen. Hat es alle erreichbare Energie in sich aufgenommen, sondert es allenfalls noch Unterhaltungssendungen ab oder wird zum weißen Zwerg. Warnhinweise: Schwarze Löcher sind heimtückisch und tarnen sich gerne als Buchrücken-Attrappen etc. Daher empfehlen wir ≥Lochverstärkungsringe, weiß≥, um die Gefahrenquelle sichtbar zu machen.
Alle Werke Jan Beumelburgs sind voller positiver Energie √ auch wenn in ihnen Kritik an der Realität erkennbar ist. Sie fordern zu neuem Denken auf und wecken die Lust am Spielerischen.
Für seine Fähigkeit, die begriffliche Welt der Dinge und Gedanken aus den Angeln zu heben und mit seinem breitem Spektrum an Stilmitteln neu zu interpretieren und auf den Kopf zu stellen, möchten wir nun unseren Kunstpreis an Jan Beumelburg übergeben.
(Galeriemitglied Gereon Riedel übergibt Jan Beumelburg den von ihm gefertigten Kunstpreis)
Als Bestandteil unseres Kunstpreises richten die Galeriemitglieder auch diemal wieder eine Ausstellung aus, an dieser Stelle ein Dank an alle Mitglieder, die den finanziellen Aufwand für das Zustandekommen der Ausstellung zu tragen bereit sind.
Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch, das Datum der Ausstellung wird per Einladung und auf unserer Website rechtzeitig bekannt gegeben.
Ich übergebe nun das Wort an Anna Neumann, die noch einige Gedanken zur Kunst von Jan Beumelburg vortragen wird.
