Von Anja bis Zaun - Nur Originale atmen!
Bilder und Skulpturen aus der Sammlung GroSt
Meine Damen und Herren, mit Kunst leben heißt, täglich Kunst erleben. Tägliche Lebensqualitätserhöhung, oder -vertiefung, wie man will...
...denn wie sonst würde ich kurz vor den Tagesthemen, die Füße schon hochgelegt, nach dem zufälligen Blick auf den Jesus im Glas, der war dabei denken, und über den eigenen Zeugungsakt nachsinnen, also den durch den ich entstanden bin...
...oder die Mehrfach-Verwertbarkeit von Material erfahren, die Geschichten und bewegten Vergangenheiten hinter dem Festredner immer draußen steht, erspüren....so holt mich auch die Leichtigkeit der Schwere ein und die fortschreitende Zerstörung unserer Landschaft hier durch den Menschen und seine wilden Anmaßungen was das Untertan machen der Erde betrifft, da hat uns aber einer einen Floh ins Ohr gesetzt....
...wie sonst beschäftigte mich kurz nach dem Heimkommen schon die Komplexität von Sichtbar sein und sich verstecken wollen... oder auch gerade die Verbindungen, die sonst versteckt sind, sichtbar lassen oder machen, und fühlte etwas von dem Reiz, gerade NICHT zu verstecken, was alle sonst verstecken ..
..wie sonst überfiele mich der Schmerz über unser aller Verwundbarkeit, Fragilität des Lebendigen und gleichermaßen seine Stärke und Macht? Meine Augen gehen in den Bildern spazieren und ich verliere mich darin und tauche als Neue wieder auf....
Nein, das ist nicht so kompliziert, wie es sich jetzt anhört. Meistens merke ich gar nichts davon, was da alles in mir passiert...welche schattigen Bereiche sich ins Licht rücken und welche sonst dominanten sich in den Hintergrund verkrümeln. Aber ich spüre etwas von der Bereicherung, die ich so fast nebenbei durch die künstlerischen Arbeiten erleben kann. Das, im übrigen, erlebe ich nur bei Originalen, nie bei Vervielfältigungen und schon gar nicht bei den allerorts beliebten Deko- Inszenierungen. Nur Originale atmen... Besonders ist in dieser Ausstellung, dass ausnahmslos alle Arbeiten irgendwie Lieblingsstücke sind, sie sind mir / uns nah und geben die Möglichkeit - und das wirklich immer wieder aufs Neue - Geheimnisvolles nahe rücken zu lassen... einen neuen Gedanken zu fassen...ein Wort zu erfinden, das die Stimmung trifft. Und eben: sich zu verlieren, um sich verwirrt, gestärkt, erfrischt..., auf jeden Fall aber irgendwie NEU wiederzufinden.
Beim Niederschreiben dieser Worte wurde mir eigentlich erst klar, wie oft und intensiv ich, ohne dass ich es wirklich ganz bewusst mitbekäme, mit den Kunstwerken unserer Sammlung befasst bin. Ein herzliches Dankeschön deshalb an Euch anwesende Künstlerinnen und Künstler für die reichhaltige Inspiration, die Ihr uns schenkt.
Vielen Dank.
© Janne Gronen, 2011, Rede zur Ausstellungseröffnung am 8.7.2011
