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Laudatio Jürgen Zaun - Kunstpreisträger 2011

Meine erste Berührung mit der Arbeit von Jürgen Zaun war 1996 in seinem Atelier auf der Uhlandstraße, als die Ateliergemeinschaft zur Ausstellung ≥Bescherung≥ geöffnet hatte.

Eine andere Erfahrung von Stein vermittelte mir später Zauns Arbeit in der Alten Post: diesmal lag das Objekt nicht auf dem Boden, sondern schwebte in der Luft, wuchs quasi aus der Wand heraus. Eine Staunen erzeugende Balance zwischen Fallen und Gehaltenwerden. Der Stein fällt nicht, aber es erscheint möglich. Dadurch scheint der Stein in Bewegung zu sein.

Zaun inszeniert die reine Präsens der Skulptur, des Steins. Und immer mit großer Klarheit und Schönheit.

Ist das alles? , fragt da der Rheinländer. Ja, das ist alles. - Denn mehr ist nicht nötig.

Es ist schon alles da. Gegensätzliches, Widersprüchliches, Unvereinbares wird nicht nach westlicher Logik aufgelöst, aufgehoben. Es wird zur Erscheinung gebracht. Denn Zaun lässt das Innere des Steins zu uns sprechen. Seine Energie, seine Spannung, sein Gewicht in Leichtigkeit dargeboten.

Die Ästhetik von Zauns faszinierenden Arbeiten lädt ein, zu philosophieren, zu meditieren, Eindrücke fort zu spinnen. Über ihre Gegenständlichkeit vermitteln seine Arbeiten den Betrachtern eine Begegnung mit sich selbst. Sie geben die Freiheit dazu. Und das ist die eigentliche Aufgabe von Kunst.

Da ging ich, in mich gekehrt, durch das gewölbte Thor, sinnend zurück in die Stadt. Warum dachte ich, sinkt wohl das Gewölbe nicht ein, da es doch keine Stütze hat? Es steht, antwortete ich, weil alle Steine aufeinmal einstürzen wollen √ und ich zog aus diesem Gedanken einen unbeschreiblichen erquickenden Trost, der mir bis zu dem entscheidenden Augenblicke immer mit der Hoffnung zur Seite stand, daß auch ich mich halten würde, wenn Alles mich sinken läßt.

Gewidmet Silvia Blazina.

Neuss / Grevenbroich, 9. Januar 2011

Inge Harms