Kunstpreisträger Jürgen Zaun
Ausstellungseröffnung des Kunstpreisträgers der Galerie Judith Dielämmer, Grevenbroich, am 08.04.2011, durch Janne Gronen
JÜRGEN ZAUN Objekte und Installation
Neulich, meine Damen und Herren, war ich hier in der Stadt und geriet in die einstündige Mahnwache für Fukushima, es waren 6 Leute da, 3 Linke, 2 Grüne und 1 von der SPD, mit dem ich mich unterhielt. So war ich innerlich noch damit beschäftigt, über Mut, Widerstand, Anpassung und Schuld, über Revoluzzer, die im Zivilstand Lampenputzer sind zu sinnieren, da kam mir der Besprechungstermin; so nenn ich ihn jetzt mal; mit Jürgen Zaun dazwischen...eigentlich wollten wir ja über Kunst und Kunstpreisausstellung reden, aber immer wieder schweiften wir auch ab, redeten über SPD und AWO und wer wann mit wem und was gewusst und was nicht, und wir sinnierten also auch über Tradition und Revolte, und immer wieder redeten wir auch über die Exponate hier, über den Landauer der offenen Kutsche also, Gefährt von Prinzen und ihren Bräuten, - (in diesem Zusammenhang gestand Jürgen Zaun mir seine Affinität zu einer noch zu gründenden Vereinigung, der Royalistisch - anarchistischen Partei, wir kamen also ein bisschen ins politisieren, und neben ein paar sprachspielerisch äußerst gewandten und gleichzeitig tiefsinnigen Bonmots wurde mir im Lachen - dann der Ernst der Lage klar:
wir haben es hier in dieser Ausstellung durch und durch mit Politischer Haltung zu tun. Wie Sie unzweifelhaft sehen. An der Doppeldeutigkeit des Landauersbeispielsweise...
Versteckte Bezüge. Doppeldeutigkeiten. Zitate. Punkt.
So ist das mit dem Vermuten (KUNST) und Finden (HALTUNG), dachte ich...
Als ich das dann später meiner Freundin erzählte, meinte sie;na ja, Kunst und Politik, Politik und Kunst, das gehört schon irgendwie zusammen und ist doch ein schweres Spiel, was nicht leicht zu machen ist. ;Mega-kluge Worte, dachte ich, Schweres leicht machen und scheitern bei diesem Versuch - ich dachte an die vielen interessanten Versuche vieler interessanter Leute der vergangenen Jahre und seufzte.
So einfach ist das mit dem leichten Finden alles nicht... Aber zurück zu unserer Besprechung hier... da ging es eben um die vielzitierte Leichtigkeit der Schwere, das liegt so nah, wenn man, wie Jürgen Zaun eben, die Steine quasi in den Himmel hebt, um ihnen die Leichtigkeit zu schenken. Stimmt. Und klingt schon fast irgendwie banal, zumindest vielgenannt. Ließ er durchblicken. Ich spürte bei Jürgen Zaun den Wunsch nach, nun sagen wir einfach, NEUEN WORTEN, jenseits des doch nahe liegenden Erlebens... die unerträgliche Leichtigkeit der Schwere...zugegeben, auch mich reizt die Wortspielerei...; die unerschütterliche Schwere der Leichtigkeit; nun ja, was wir heute hier sehen, ist die Ausstellung, mit der die Galerie Judith Dielämmer ihren Kunstpreisträger 2011 ehrt; der es sich nicht hat nehmen lassen, sie eigenhändig zu inszenieren...
JZ zeigt uns hier aus seinem Schaffen und aus einem Zeitraum von über 20 Jahren eine ausdrucksstarke, umfangreiche, luftige, filigrane und charaktervolle Werkschau.
Die Ausstellung trägt keinen Titel, wir sind auf das eigene Erleben zurückgeworfen...was ich persönlich grundsätzlich gut finde, wir begegnen Kunst - und WIR SIND IRRITIERT. Was jetzt soviel bedeutet, wie unsere Haltung wird hinterfragt
Ich plaudere jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen, was die inneren Irritationen der Galeristen betrifft. Da gibt es plötzlich Bedenken, ob Steine fallen können. Gar ein Kind, ein unschuldiges, verletzen. JA WIESO DENN NICHT. STEINE GEHÖREN NORMAL AUF DEN BODEN UND WENN SIE HÖHER HÄNGEN, KÖNNEN SIE FALLEN. Das verhindern wir nach längerer Diskussion mit einem Konsensbeschluss durch die Bewachung der filigranen Arbeit am Eingang.
Versteckte Bezüge. Doppeldeutigkeiten. Zitate. Aber die Steine hier können auch mehr, wenn wir uns auf sie einlassen. Versuchend, im eigenen Erleben zu suchen und zu finden, gehe ich also alleine durch die Ausstellung und höre den Exponaten zu, und erst höre ich Stille...das ewige Sein der Steine... Ich höre die Zeit vergehen, ich höre das leise Quietschen von Schaukeln, ich höre Kinderstimmen....und dann Töne und gar Melodien.... fein und leicht, von Wind und Sonne, und dann gar born to be wild beispielsweise, oder like a rolling stoneoder unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand und dann wieder einfach nur die Klänge eines plätschernden Bächleins, das doch eckige Steine in Jahrtausenden zu Kieseln rundet, beständig und leicht und fein. Und dann höre ich das Poltern der Landauer über das Kopfsteinpflaster...und ich höre, wie die Zeit vergeht...und werde ganz ruhig...
Mal im Ernst, meine Damen und Herren, mir scheint, dass wir in den Arbeiten unserer Tendenz begegnen können, uns selbst keine Zeit zum WERDEN und REIFEN zu lassen. Ständig hetzen wir rum, schnell müssen wir reagieren, schnell die Welt sortieren in schwer und leicht, überholtes und weiterführendes. Schnell, zu schnell sind wir bereit, zu verweigern, was scheinbar ZU schwer ist: SICH ZEIT ZU LASSEN.
Eine Kultur des anderen Umgangs mit der Zeit lernen, des anderen Sehens vielleicht, endlich in der Lage, einen Reichtum aus der Unendlichkeit des Spiels mit Leichtigkeit und Schwere zu schöpfen.
Das, meine Damen und Herren, wäre eine Fähigkeit, die uns einen Ausgleich finden lässt zwischen gewohntem Denken, schweres liegt unten und erfrischender kreativer Haltung;warum muss Schweres am Boden liegen, heben wir es doch hoch...
Vielleicht kämen wir da auch politisch noch auf ein paar neue Gedanken...wenn wir wieder Zeit hätten statt Uhren..
Wie wäre es also, mit Freude und Gelassenheit, die spezifische Schwere und Bedeutsamkeit der Feder zu entdecken und die Leichtigkeit der Steine? Und an diesem möglichen Paradigmenwechsel uns täglich zu reiben, zu freuen und ihn IMMER WIEDER in Szene zu setzen und uns Zeit zum spielerischen humorvollen Umgang mit der SCHWER-KRAFT zu gönnen ...denn das, glaube ich zu spüren, ist irgendwie ein Anliegen von Jürgen Zaun
Vielen Dank. © Janne Gronen, 2011
Mehr über Jürgen Zaun bei Judith Dielämmer unter Laudatio Jürgen Zaun
